
Manchmal beginnt eine Bildidee nicht mit einer Kamera, sondern mit einem einzigen Gegenstand.
In meinem Fall war es ein alter Koffer – und viele wunderschöne Keramikpuppen, die ich geschenkt bekommen hatte. Sie standen eine Zeit lang bei mir und warteten darauf, Teil einer Geschichte zu werden. Heute lösen Puppen bei vielen Menschen eher Unbehagen aus. Filme haben ihr Bild verändert, und aus etwas Liebevollem wurde für manche etwas Gruseliges. Dabei erzählen Puppen eigentlich etwas ganz anderes: von Kindheit, Fantasie und Erinnerungen.
Bevor ich die Puppen an ein Pflegeheim weitergab, wollte ich ihnen noch einen letzten Moment schenken. Nicht als Dekoration, sondern als Teil einer Geschichte.
Sofort wusste ich, wer die Hauptrolle spielen sollte: meine Mama.
Sie öffnet den alten Koffer. Zwischen den Puppen liegen Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit. Sie nimmt ein altes Fotoalbum in die Hand und beginnt zu blättern. Mit jedem Bild scheint sie für einen Augenblick wieder das kleine Mädchen zu sein, das sie einmal war. Man spürt, dass Erinnerungen kein Verfallsdatum haben. Sie begleiten uns ein Leben lang.
Genau solche Momente faszinieren mich als Fotografin. Oft fragen mich Menschen, wie ich auf meine Ideen komme. Die Wahrheit ist: Eine Geschichte entsteht selten plötzlich. In meinem Kopf verbinden sich Gegenstände, Emotionen, Farben, Licht und Erinnerungen zu einem kleinen Film. Noch bevor ich die Kamera in die Hand nehme, sehe ich die fertigen Bilder bereits vor meinem inneren Auge. Ich überlege, welche Gefühle ein Bild auslösen soll und welche Details die Geschichte erzählen können.
Für mich geht es in der Fotografie nicht nur darum, schöne Bilder zu machen. Ich möchte Erinnerungen sichtbar machen. Bilder, die man nicht nur anschaut, sondern fühlt.
Dieses Shooting war deshalb etwas ganz Besonderes. Es war nicht nur eine Fotoserie über einen alten Koffer und ein paar Puppen. Es war eine Reise in die Vergangenheit. Eine Erinnerung daran, dass wir alle einmal Kinder waren und dass manche Schätze nicht aus Gold bestehen, sondern aus den Geschichten, die wir mit ihnen verbinden.
Vielleicht ist genau das die größte Magie der Fotografie: Sie hält nicht nur einen Moment fest – sie lässt Erinnerungen weiterleben.

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